Kardinal Wetter segnet nur die Reaktorleute und ignoriert besorgte Christen

Offener Brief an Kardinal Wetter

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Die BÜRGER GEGEN ATOMREAKTOR GARCHING e. V. hatten vor dem Festakt zur Inbetriebsetzung des Atomforschungsreaktors FRM II am 9. Juni 2004 Erzbischof Kardinal Wetter und die evangelische Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler zu ihrer Protestveranstaltung gegen das neue Atomprojekt eingeladen.

Die Regionalbischöfin sprach am Tag des Festaktes zu den Demonstranten und legte ihre Position dar, bevor sie anschließend zum Festzelt ging. „Auf keinen Fall werde ich den Atomreaktor segnen“, sagte sie den Versammelten. Vielmehr segnete sie nicht nur die Mitarbeiter des Forschungsreaktors, sondern auch alle Menschen, die aus sachlichen und ethischen Gründen den Reaktor kritisch gegenüberstehen und sich Sorgen machen.

Von Kardinal Wetter erhielt der Vorstand der BÜRGER GEGEN ATOMREAKTOR GARCHING e. V. keine Antwort auf seine Einladung. Erst auf Nachfrage am 8. Juni wurde eine ablehnende Antwort vom Vorzimmer des Kardinals geschickt. Es wurde der Bürgerinitiative mitgeteilt, dass eine schnellere Beantwortung wegen Urlaubs des Kardinals nicht möglich gewesen war. Dem Verein BÜRGER GEGEN ATOMREAKTOR GARCHING e. V. lag aber zwischenzeitlich durch Übermittlung eines Journalisten die Pressemitteilung des Ordinariats vor zur Teilnahme des Kardinals am Festakt der Reaktorstation als auch die schriftliche Fassung seines Segenswunsches. Dazu hatte Kardinal Wetter sehr wohl Zeit gefunden trotz seines Urlaubs. Der Verein findet diese Art des Umgangs miteinander sehr schade, zumal Kardinal Wetter in seiner Pressemitteilung den Dialog selbst anmahnt, ihn selber aber nicht zu praktizieren scheint: „Die Diskussion darüber müsse auch über den Tag der Eröffnung hinaus weiter geführt werden, wenn es um einen Fortschritt im Verstehen der Welt gehen soll“.

In seinem Segenswunsch segnete er ausschließlich diejenigen, die am Reaktor forschen und arbeiten.

Auch eine weitere Mail blieb bisher unbeantwortet. Darin äußerte der gemeinnützige Verein BÜRGER GEGEN ATOMREAKTOR GARCHING e. V. die Erwartung an Kardinal Wetter, auch die Menschen zu segnen, die sich Sorgen wegen dieses neuen Atomreaktors. Da auch diese Mail von Kardinal Wetter bisher unbeantwortet blieb, schrieb der Verein nun einen Offenen Brief an Herrn Wetter. Gina Gillig, Vorstandsvorsitzende der BÜRGER GEGEN ATOMREAKTOR GARCHING e. V.: „Ich bin sehr darüber enttäuscht und auch traurig, dass Kardinal Wetter nicht auch die Menschen und Katholiken in seinen Segen mit einbezieht, die besorgt sind wegen dieses neuen Atomreaktors. Ich möchte die Erwartung an Kardinal Wetter richten, auch die Menschen und Katholiken, die in seiner Diözese leben, zu segnen und nicht nur die Reaktorleute. Wir sind Menschen, die Angst haben vor diesem neuen Atomprojekt. Dass diese Ängste begründet sind zeigte beispielsweise die Verseuchung im Dezember 1998, die von den Verantwortlichen versucht worden war zu vertuschen, die wir aber aufdecken konnten, und die zu einer völligen Umstrukturierung des Strahlenschutzes der TU München führten. Wir machen uns große Sorgen über die mögliche Weiterverbreitung von Highly Enriched Uranium als auch über den entstehenden Atommüll, der für viele Generationen nach uns noch lebensgefährlich sein wird. Ich möchte die Bitte an Kardinal Wetter richten, auch uns zu segnen. In welcher Form, Art oder Rahmen dies möglich sein kann, darüber wird er einen Weg finden. Herr Kardinal, bitte beziehen Sie die Menschen mit ihren Sorgen ein, die mit diesem neuen Atomprojekt leben müssen und segnen Sie auch sie.“


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