Brief an die neue Bundesministerin











Swenja Schulze

Bundesministerium für

Umwelt und Reaktorsicherheit

Stresemannstraße 128-130

10117 Berlin                                              15. März 2018

 

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Schulze,

 

im Namen der "Bürger gegen Atomreaktor Garching E.V." darf ich Sie zu Ihrer Ernennung zur Bundesministerin für Umwelt und Reaktorsicherheit beglückwünschen.

 

Wie ich den Medien entnommen habe, wohnen Sie in der Stadt Münster in Westfalen, die ich persönlich kenne. Aus dieser Tatsache heraus habe ich auch dieses Schreiben formuliert, denn meine Heimatstadt Garching bei München und ihr Münster stehen in einer Beziehung, die einen hoch politischen Hintergrund hat.

 

Auf dem Gelände der Technischen Universität München am nördlichen Stadtrand von Garching steht der Forschungs -Atomreaktor FRM II. Dieser Reaktor wird entgegen der Genehmigungsauflage längstens bis 2010, immer noch mit hochangereichertem, waffentauglichem Uran betrieben. Ein FRM II-Brennelement hat einen Anteil von 93% U235.

 

Die abgebrannten Brennelemente des FRM II, die mit einer Anreicherung von 87,5 % noch immer waffenfähig sind, sollen dieses Jahr beginnend über hunderte von Kilometern von Garching bis Ahaus transportiert werden und über Jahrzehnte in einem relativ ungeschützten Zwischenlager verbleiben.

 

"Zum Vergleich: Die Kernbrennstoffe aus dem Schnellen Brüter in Kalkar und aus dem Brutreaktor des Forschungszentrums Karlsruhe lagerten aus Sicherheitsgründen im sog. „Plutonium-Bunker“ in Hanau.", schrieb das Umweltinstitut München im Dezember 2017.

 

Ähnlich lautet das Ergebnis der "Gutachterlichen Stellungnahme zum Forschungsreaktor München II (FRM-II)" (Projektnummer 94 110) für das Nationale Begleitgremium vom Dezember 2017: "Der physische Schutz von Zwischenlagern entspricht, nach aktuellem Kenntnisstand, dem Standard für die Lagerung von radioaktiven Abfall und nicht demjenigen für die Lagerung von Waffenmaterial. Unter der Voraussetzung, dass Angreifer das Zwischenlager betreten und wieder verlassen können, sind Diebstahlsszenarien möglich. Ein Abtransport eines ca. 50 kg schweren Brennelements wäre vergleichsweise einfach. Daher ist das Risiko eines Diebstahls eines Brennelements des FRM-II aus dem Zwischenlager nicht ausgeschlossen und damit proliferationsrelevant einzustufen."

 

Ahaus ist halt so schön weit weg von München – also kein wirkliches Problem für Bayern und die Regierung ihres Koalitionspartners CSU. Aber Sie, Frau Bundesministerin Schulz sollten sich darüber Gedanken machen, denn das Atommülldepot in Ahaus liegt gerade einmal ca. 40 Km westlich von Münster. Die Transporte aus dem FRM II von Garching nach Ahaus betreffen Sie an ihrem Wohnort Münster und ihre WählerInnen sehr direkt.

 

Wir bitten Sie sich dafür einzusetzen, dass die Lagerung an einem Ort stattfindet, der der besonderen Gefährlichkeit des Materials wirklich Rechnung trägt und darauf zu dringen, dass endlich, wie lange zugesagt, künftig nur noch wenig angereichertes Uran Verwendung findet.

 

Für eine baldige Antwort in diesem Sinne wäre ich dankbar.

Mit freundlichen Grüßen

Ingrid Wundrak

Vorstand