Ein sauberer "Vorzeige-Reaktor", wie Deutschlands erster Atomreaktor von den Betreibern gerne dargestellt wird, ist der Atomforschungsreaktor FRM in Garching nicht. Von "40 Jahren störungsfreier Betrieb" am Atom-Ei kann keine Rede sein. Dies beweist eine lange Reihe von Schlampereien und Störungen, die den über 40-jährigen Betrieb begleitet haben.

Erinnert werden soll hier nur an einige Vorfälle, die zum Teil auch strafrechtlich verfolgt wurden:

  • Radioaktive Verseuchung des Erdreichs
    Bis 1991 wurde radioaktives Abwasser über einen lecken Abwasserkanal abgeführt und in die Isar eingeleitet. Bereits in den 70er Jahren wurden Undichtigkeiten des Kanals durch Wurzeleinwuchs bekannt. Die Auflagen des Landratsamtes München, den Kanal regelmäßig zu warten, wurden von den FRM-Betreibern ignoriert. Mehr als 10 Jahre später wurden 1989 mehrere Leckagen entdeckt, ebenfalls durch Wurzeleinwuchs. Dies erst führte dann zur Stillegung des Kanals. Das Erdreich war mit maximal 4000 Bq/kg Gesamtaktivität radioaktiv kontaminiert: 3000 Bq/kg Americium 241, 800 Bq/kg Plutoniumisotope, 100 Bq/kg Cäsium 137 und andere.
  • Dekontaminierungsarbeiten ohne Genehmigung
    Das durch den undichten Abwasserkanal hoch radioaktiv verseuchte Erdreich wurde ca. ein halbes Jahr vor Baubeginn des umstrittenen FRM II im Bereich der Baugrube ohne Genehmigung dekontaminiert, obwohl die in der Strahlenschutzverordnung festgelegten Freigrenzen gemäß TÜV-Gutachten überschritten wurden. Da der TÜV für eine ordnungsgemäße Sanierung ca. 2 Jahre angesetzt hatte, die Dekontaminierungsarbeiten aber nur im Bereich des künftigen Baugeländes des FRM II innerhalb weniger Wochen durchgeführt wurden, ist davon auszugehen, dass die strengen Auflagen des TÜV bei der Dekontaminierung nicht erfüllt wurden.
  • Radioaktives Abfallager in den Isarauen als Naturschutzgelände getarnt
    Über Schilder, die in den Garchinger Isarauen nahe des Reaktorgeländes den Zutritt aus Naturschutzgründen untersagten, wurde Anfang des Jahres ein weiterer Skandal aufgedeckt: In Wahrheit sollten diese Schilder die Umgebung des dortigen Atommülllagers passantenfrei halten. Messungen Anfang der 80er Jahre hatten ergeben, dass nahe dem radioaktiven Abfalllager ein "Überschreiten der in der Strahlenschutzverordnung festgelegten Grenzwerte nicht auszuschließen sei". (Umweltministerium, Quelle: SZ vom 17.04.97)
  • Leck im Atom-Ei
    Bei der Revision im April diesen Jahres wurde ein 10x5 mm großes Leck im Primärkühlkreislauf entdeckt, das vermutlich durch Langzeitkorrosion entstanden ist. Bei einem verantwortungsbewussten Umgang hätte der Defekt gar nicht auftreten dürfen und ein Leck im Kühlkreislauf verhindert werden müssen.
  • 16 Störungen von 1992 - 1996
    Erst seit Inkrafttreten der Atomrechtlichen Sicherheitsbeauftragten- und Meldeverordnung (AtSMV) am 24.10.1992 werden erstmalig meldepflichtige Ereignisse in deutschen Atomforschungsreaktoren offiziell erfasst (s. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Meldepflichtige Ereignisse in Anlagen zur Spaltung von Kernbrennstoffen in der Bundesrepublik Deutschland; Jahresberichte 1992 bis 1996). Im Jahr 1992 ereigneten sich vier Störungen im Atomei, im Jahr 1993 gab es ebenfalls vier, im Jahr 1994 waren es fünf, im Jahr 1995 war es eine und im Jahr 1996 gab es zwei. So gab es im Atom-Ei innerhalb eines Zeitraums von nur 4 Jahren insgesamt 16 meldepflichtige Störungen.
Das marode Atom-Ei, der älteste Atomreaktor Deutschlands, ist im Juli 2000 außer Dienst gestellt worden. Er lief nie störungsfrei. Technisches und menschliches Versagen als auch Terroranschläge sind nie auszuschließen und machen die Atomtechnologie unbeherrschbar und deshalb unverantwortbar. Wir fordern die Verantwortlichen auf, den neuen, international umstrittenen FRM II nicht in Betrieb zu nehmen und die dafür bereitgestellten Gelder in Milliardenhöhe in sinnvolle, innovative, ökologische Forschung zu stecken als in eine erneute Atomanlage.

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