Verstoß gegen Strahlenschutzvorschriften durch TU München - TU München nicht zuverlässig
Wie erst im März 1999 der Öffentlichkeit bekannt wurde, hat sich bereits am 07. Dezember 1998 in einem von der TU München betriebenem Labor auf dem Forschungsgelände in Garching ein Störfall mit radioaktivem Kobalt 57 ereignet.

Erst am 7. April 1999 legte die TUM den "Bericht über Kobalt 57-Kontaminationen bei biophysikalischen Forschungsarbeiten am Lehrstuhl E 17 der Fakultät für Physik" vor.

Daß dieser Vorfall bekannt wurde, ist einer Person mit Zivilcourage, die auf dem Forschungsgelände arbeitet, zu verdanken. Diese Person hatte sich an Greenpeace gewandt. Greenpeace stellte den Kontakt zu dem gemeinnützigen, überparteilichen Verein BÜRGER GEGEN ATOMREAKTOR GARCHING e. V. her. Beide Organisationen gewähren Informantenschutz. In diesem Zusammenhang rufen die BÜRGER GEGEN ATOMREAKTOR GARCHING e. V. auf, weitere Vorkommnisse oder Störfälle, die sich ereignet haben aber nicht öffentlich gemacht bzw. verheimlicht wurden, dem Vorstand der BÜRGER GEGEN ATOMREAKTOR GARCHING e. V. mitzuteilen. Um den Arbeitsplatz nicht zu gefährden, werden diese Informationen vertraulich behandelt und Informantenschutz gewährt.

Der TUM-Bericht stellt heraus, daß es bei dem Unfall zu keiner gesundheitlichen Gefährdung von Personen gekommen sei. Gina Gillig, Vorstand der BÜRGER GEGEN ATOMREAKTOR GARCHING e. V.: " Wenn tatsächlich keine gesundheitliche Gefährdung bestanden hat, so haben die dort lebenden und arbeitenden Bürgerinnen und Bürger noch mal außerordentliches 'Glück gehabt'. Doch erfahrungsgemäß sind radioaktive Störfälle ein Musterbeispiel dafür, dass Informationen vorenthalten, die Probleme heruntergespielt und die Öffentlichkeit getäuscht wird."

Entscheidend ist nach Ansicht der Bürgerinitiative folgendes:

  • Es wurde bereits vor dem Störfall "eine ungewöhnliche Häufung unerkannter Kontaminationen in beträchtlicher Höhe" vom Landesamt für Umweltschutz (LfU) festgestellt (Begehungsbericht vom 23.11.1998). Die TU München (TUM) ist der aufsichtsführenden Behörde also bereits vor dem Unfall als fahrlässiger Betreiber mit radioaktiven Substanzen aufgefallen.
  • Schon im Jahre 1997 wurde vom LfU das radioaktive Kobalt 57 in der Garchinger Kläranlage gemessen, verursacht durch die TUM. Skandalös ist, dass die Stadt Garching erst im Schreiben vom 29. März 1999 (!) über die erhöhten radioaktiven Werte in ihrer stadteigenen Kläranlage vom LfU informiert worden ist, also erst zwei Jahre später. Auf Garchinger Flur wird in einer nuklearen Einrichtung mit Radioaktivität in unverantwortlicher Weise geschlampt. Die Garchinger Bürgerinnen und Bürger und der von ihnen gewählte Bürgermeister erfahren offiziell davon erst 2 Jahre später.

    Wie immer bei radioaktiven Vorfällen werden Informationen nicht freiwillig herausgegeben, sondern erst auf öffentlichen Druck "herausgerückt".

    Das ist der Verdienst von Bürgerinitiativen. Den BÜRGER GEGEN ATOMREAKTOR GARCHING e. V. dabei "durchsichtige politische Motive" (Zitat "Bericht über Kobalt 57-Kontamination..." der TUM, S. 6) zu unterstellen ist eine der vielen Verunglimpfungen der TUM, mit der sich vor allem die TU-Reaktorstation hervortut. Dass die Bürgerinnen und Bürger diese Vorgehensweise durchschauen, hat der Gewinn des Bürgentscheids zum FRM II in Garching deutlich gezeigt.

  • Kontamination wurde aus dem Labor nach außen verbracht. Dabei wurden auch Grenzwerte überschritten sowohl auf dem Rasen als auch in Wohnungen von Labormitarbeitern.

    Damit ist massiv gegen die Strahlenschutzverordnung verstoßen worden als auch gegen den Genehmigungsbescheid zum Betreiben des Labors. Die TUM redet schön, dass keine Personen direkt gesundheitlich gefährdet worden seien. Fakt ist jedoch - und das kann sie nicht beschönigen -, dass sie gegen wichtige Vorschriften verstoßen hat.

  • Es ist davon auszugehen, dass Labormitarbeiter mit ihrer kontaminierten Kleidung Radioaktivität nicht nur in ihre Wohnung verschleppt haben, sondern auch auf dem Nachhauseweg öffentliche Verkehrsmittel kontaminiert haben. Darüber schweigt sich der Bericht aus und schließt dies nicht aus. Weitere Personen können kontaminiert worden sein.
  • Der Störfall mit Kobalt 57 ist kein Einzelfall. So wurde 1989 entdeckt, dass Garchinger Grundwasser unzulässig mit Tritium verseucht wurde. Des weiteren wurde Boden mit Plutonium, Americium und weiteren Nukliden kontaminiert. Auch dafür ist die TUM verantwortlich.

Gina Gillig, Vorstand der BÜRGER GEGEN ATOMREAKTOR GARCHING e. V., stellt deshalb fest: "Die TUM gibt in ihrem Bericht zu, dass der tägliche Umgang mit Radioaktivität das Bewusstsein schwächt, Strahlenschutzvorschriften einzuhalten. Die TUM ist absolut unzuverlässig im Umgang mit Radioaktivität. Sie hat bereits Garchinger Boden und Grundwasser verseucht. Auch ab 1997 hat sie mit Radioaktivität geschlampt. Im nun bekannt gewordenen Störfall mit Kobalt 57 hat sie außerdem massiv gegen die Strahlenschutzverordnung und den Genehmigungsbescheid zum Betreiben des Labors verstoßen. Wenn die TUM nicht einmal in der Lage ist, ein Labor vorschriftsmäßig zu betreiben, in dem mit radioaktiven Material umgegangen wird, ist sie auch nicht in der Lage, einen Atomreaktor "sicher" zu fahren. Sie erfüllt mit diesen Störfällen nicht die im Atomgesetz geforderte 'Zuverlässigkeit der Betreiber'."

Deshalb fordert Gina Gillig: "Der Bau des neuen Atomreaktors FRM II ist sofort zu stoppen. Die 3. Teilerrichtungsgenehmigung (3.TEG) darf bei dieser Unzuverlässigkeit auf keinen Fall erteilt werden, bevor Schlimmeres passiert."


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