Werden Garchings Bewohner und Beschäftigte schlechter gewarnt und geschützt als andere Bürger im Umkreis des Reaktors?

21 Fragen an Garchings Bürgermeisterin und die Katastrophenschutzbehörde.

 

 

 

BÜRGER GEGEN ATOMREAKTOR GARCHING e.V.                                                                            19. Jan. 2012

 

Katastrophenwarnung-und Vorsorge

Forschungs-Atomreaktor Garching - 21 Fragen

Sehr geehrte Frau Bürgermeister Gabor,

zwei Ereignisse ergaben für uns den Anstoß das Thema Katastrophenschutz in Garching wieder aufzugreifen.

Zum einen wurde am 11.10. 2011 ein Sirenentest durchgeführt, der mangels Sirenen in Garching nicht zu hören war. Zum anderen wurde Ende November in Ismaning bei einer Katastrophenschutzübung der Umgang mit Strahlenopfern geprobt.

Das veranlasst uns folgende Fragen zu stellen, die Sie bitte ggf. gemeinsam mit der Katastrophenschutzbehörde beantworten.

Nach unserer Meinung besteht in Garching, unabhängig von einer rechtlichen Verpflichtung, als Standort eines Atomreaktors und wegen des Umgangs mit radioaktiven und sonstigen gefährlichen Stoffen in verschiedenen Instituten oder z.B. eines Gefahrgutunfalles auf einer der Bundesfernstraßen, eine besondere Notwendigkeit die Bewohner und Beschäftigten zu warnen, zu schützen und in den Katastrophenschutz einzubeziehen:

  1. Auch Garchinger Bürger haben aus Medien erfahren, dass eine Sirenenprobe durchgeführt werden sollte. Warum wurde die Funktion der mobilen Sirenen der Feuerwehr, deren Reichweite und Wirkung auf die Bevölkerung nicht erprobt?

  2. Wir nehmen an, dass die fest installierten Sirenen von einer zentralen Stelle in Betrieb gesetzt wird. Wie lange dauert es in Garching bis von diesem Alarm auch in Garching jeder Bürger das Signal über die mobilen Anlagen zu hören bekommt?

  3. Wie lange dauert es dann noch bis eine evtl. Warndurchsage alle Bürger erreicht hat? Das heißt, um wie viel später erfahren alle Garchinger von einem Alarm als Bürger, die von einer festen Sirenenanlage alarmiert werden?

  4. Wie wird erklärt, dass die Durchsage bei der Alarmierung im Jahr 2007 zu einem Gefahrunfall auf der Autobahn nicht von allen Bürgern gehört wurde?

  5. In Garching wurden Sirenen abgebaut. Warum werden in Garching nicht wieder Sirenen installiert, die eine schnellere Alarmierung der ganzen Bevölkerung gewährleisten würden? Als frisch gewählte Bürgermeisterin hatten Sie die Installation eines Alarmsystems, angesichts eines Giftgasunfalls im Institutsgelände, angekündigt.

  6. Befürworten Sie die Installation eines Sirenenwarnsystems für Garching auch ohne gesetzliche Verpflichtung und werden Sie diese in die Wege leiten?

  7. In Ismaning erfolgte ein Test zum Umgang mit Strahlenopfern. Warum erfolgte in Garching noch nie eine Evakuierungsübung, eine Strahlenschutzübung oder dergleichen unter Einbeziehung der Bürger in den Forschungsbereichen und den Wohn- und Gewerbegebieten um evtl. Mängel aufzuzeigen?

  8. Warum werden z.B in Schulen und Kindergärten Feuerwehrübungen durchgeführt, nicht jedoch Übungen für den Fall einer Umweltkatastrophe?

  9. Wie werden die Verantwortlichen in den öffentlichen Einrichtungen für den Fall des Atom-Alarms informiert und geschult? Gibt es Verhaltensmaßregeln, wie vor vielen Jahren vom Umweltministerium zugesagt? Wenn nein, warum nicht?

  10. Wie wird die Information gewährleistet (kein Anrufbeantworter geschaltet wie 2007 im Kindergarten)?

  11. Wo werden Kaliumjodtabletten (bei Radioaktivität in der Luft) und in welcher Menge aufbewahrt?

  12. Für wie viele Personen reichen die Tabletten und wie wurde der Bedarf berechnet?

  13. Welche Personen sind mit der Aufbewahrung und Ausgabe beauftragt?

  14. Wie sind sie geschult?

  15. Wie erhalten die Garchinger die Tabletten im Bedarfsfall?

  16. Wie erhalten Kindergärten usw. bei Bedarf diese Tabletten zur Ausgabe?

  17. Sind die Tabletten noch in der Haltbarkeitsdauer?

  18. Wie wird die Ausgabe der Informationsbroschüre nach § 53 der Strahlenschutzverordnung, gehandhabt? Ist sie im Besitz aller öffentlichen Einrichtungen und wie wird dort damit umgegangen? Wie werden die Beschäftigten in den Gewerbebetrieben und Instituten von dem Inhalt informiert? Wie ist gewährleistet, dass alle Neubürger und neuen Beschäftigten davon Kenntnis erhalten?

  19. Die genannte Broschüre in kleiner Schrift ist leider eher ein Flyer, der die Gefahren des Atom-Reaktors in Garching verharmlost, statt eine Informationsschrift. Wäre es nicht an der Zeit, auch angesichts von „Fukushima", eine ausführliche Broschüre zu erstellen, die mit weniger bunten Bildern, aber dafür mit echten Informationen, z.B. über Evakuierungswege, wie in vergleichbaren Broschüren anderer Atomanlagen, aufwarten kann, die für alle Bürger und in Garching Beschäftigte eine Hilfe sein kann? Warum wurde, statt viel beschönigendem Text nicht eine übersichtliche Verhaltensmaßregel für den Fall des Falles erstellt?

  20. Wurde bei der Neuauflage, wie zugesagt, auf nicht deutsch sprechende Personen Rücksicht genommen? In welchen Sprachen wird die Broschüren verteilt?

  21. In diesem Jahr soll die Isarbrücke für mindestens 5 Monate gesperrt werden. Die Einsatzleitung der Katastrophenschutzbehörde und deren Fahrzeuge befinden sich in Haar und eine evtl. Evakuierung ist nach Ismaning vorgesehen (siehe Übung), was einen großen Umweg und damit erhebliche Verzögerungen für Hilfeleistungen im Katastrophenfall und für Rettungsfahrzeuge bedeutet. Wurde die Katastrophenschutzbehörde von der Sperrung informiert und inwieweit wurde eine Anpassung der Schutzmaßnahmen vorgenommen?

Unsere Vereinsmitglieder und andere Bürger sind in Sorge, dass in Garching nicht alle Vorkehrungen getroffen sind um die Folgen eines Unfalls, sei es im Forschungsreaktor, seien es anderen Ursachen, zu minimieren. Wir bitten daher unsere Fragen möglichst bald ausführlich und vollständig zu beantworten und alle Maßnahmen zu ergreifen, die zur Verbesserung der Situation beitragen.

Mit freundlichen Grüßen

Ingrid Wundrak / Helga Leibold    Vorstand

Süddeutsche Zeitung am 2.2.2012

Münchner Merkur am 2.2.2012

 

 

 


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