9 Monate hat es gedauert bis ein Schreiben an Umweltminister Röttgen beantwortet wird.Leider, ohne auf den Kern einzugehen wird das widergekäut, was von den Betreibern der TU vorgegeben wird, ohne eigene Recherchen.

 

BÜRGER GEGEN ATOMREAKTOR GARCHING e.V.

Bundesumweltminister Dr. Röttgen

Stresemannstraße 128 - 130
10117 Berlin

 

FRM II (Forschungsneutronenquelle in Garching b. München)

Bundesaufsicht für Kerntechnische Anlagen

Sicherheit gefährdet - Zweifel an Zuverlässigkeit der Betreiber

 

Sehr geehrter Minister Dr. Röttgen,

 

  1. die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung hat mit Gutachten VI/14313 vom 27.7.2006 ,also bald nach Inbetriebnahme des neuen Reaktors, Korrosionserscheinungen am Reaktorbecken festgestellt. Bis heute wurde deren Ursache nicht ausgemacht. Die Betreiber bagatellisieren den Rost als „Belag" und angeblich ohne Belang für die Betriebs-Sicherheit des Reaktors. Wir teilen jedoch die Einschätzung des Umweltinstituts München e.V. vom 28.April 2011 (Anlage)und sind besorgt, dass nach Revisionsarbeiten der Reaktor wieder in Betrieb genommen wird, ohne dass die Ursache der Korrosion festgestellt und beseitigt wurde und mögliche - auch längerfristige - Folgen der Rostpartikel im Becken für die Sicherheit des Atomreaktors unentdeckt bleiben.
  2. Diese Besorgnis,dass nicht gründlich genug geprüft wird, gründet auch darauf, dass letztlich die Bayerische Atomaufsichtsbehörde und die Betreiber (TUM) mit dem Freistaat Bayern identisch sind.
  3. Zudem haben wir erfahren, dass die personelle Ausstattung der Atomaufsicht in Bayern, nach Ausscheiden von kompetentem Personal nicht mehr den qualitativen und quantitativen Anforderungen dieses hochsensiblen und sicherheitsrelevanten Themas entspricht.
  4. Auch die Führung und der Betrieb des Reaktors steht nach unserer Beobachtung unter dem Vorrang von Forschung vor der Sicherheit. Eingeständnisse über eine unzureichende personelle Ausstattung im Bereich des Strahlenschutzes, wie wir der Süddeutschen Zeitung vom 22. Juni 2011 entnommen haben, sind ein Zeugnis dafür. Offenbar hat hier auch die Aufsichtsbehörde ihre Aufgabe nicht wahrgenommen.
  5. Die Ernsthaftigkeit, wie sicherheitsrelevante Themen von der Hochschule behandelt werden, zeigt sich bildlich, wie der Leiter des Reaktors Herr Prof. Dr. Petry bei einer Feier mit einem Heusack kokettiert und das Thema der Proliferation „High Enriched Uranium" (HEU) damit der Lächerlichkeit preis gibt. Die mangelnde Einsicht und Bereitschaft, entsprechend der Genehmigung, zur Abrüstung auf MEU bis 2010, das dann immer noch waffenfähig ist, wird hier besonders deutlich. "Wenn Du einen Sumpf trockenlegen willst, darfst Du nicht die Frösche fragen!",
  6. Auch wenn der Forschungsreaktor mit seinem Inventar nicht einem Leistungsreaktor entspricht, erwarten wir, dass auch er einem „Stresstest" von einem unabhänigen Institut unterzogen wird, da er für die Sicherheit der Bevölkerung im Betrieb und hinsichtlich der Proliferation eine erhebliche Gefahr darstellt. Den TÜV können wir in dem Sinne nicht als unabhängig anerkennen, da er beim Bau und laufenden Betrieb des Reaktors sich nicht als wirklich unabhängig, fachkundig und kritisch bezüglich der Sicherheit erwiesen hat.
  7. Ungeachtet möglicher Verbesserungsmaßnahmen sind wir für die Abschaltung des Forschungsreaktors, da er neben den Gefahren keine relevanten Forschungsergebnisse bringt, die nicht auch bei Einsatz der gleichen Mittel in anderen Forschungsbereichen erzielt werden könnten.
  8. Zudem ist zu erwarten, dass mit Ausstieg aus der Atomenergie auch das personelle know how für den Betrieb eines Atom-Reaktors schwindet und damit das Sicherheitsrisiko steigt.
  9. Das Verschweigen und dann nach Bekanntwerden, das Verharmlosen des Rostes ist ein Verhalten der Betreiber, das wir kennen seit wir uns mit dem FRM II bzw. seinem Vorgänger befassen. Verschiedene andere Vorfälle, die in gleicher Weise behandelt wurden, führen dazu an der Zuverlässigkeit des Betreibers erheblich zu zweifeln.

Wir bitten Sie daher im Rahmen Ihrer Bundesaufsicht dafür zu sorgen, dass alles getan wird um die Sicherheit des Reaktors zu gewährleisten und bitten in einer Antwort auf unsere Bedenken einzugehen.

Mit freundlichen Grüßen

Ingrid Wundrak / Vorstand

Antwort des Bundesumweltministeriums vom 13.3.2012

 


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