Der Reaktor ist seit 2004 in  Betrieb und weist schon nach wenigen Monaten, nach Eingeständnis der Betreiberin (TU München)  Korrisionserscheinungen auf, die sich immer mehr verbreiten.

Die TU weiß zwar nicht, was die Ursache des Rostes ist, doch sie weiß (!) wie immer, dass keinerlei Gefahren damit verbunden sein sollen. Die übliche Reaktion ist, dass mögliche Gefahren herunter gespielt werden, bis sie nicht mehr geleugnet werden können. Dies hat sich im Garchinger Forschungsbereich schon mehrfach gezeigt. Die Verantwortlichkeit der Betreiber muss in Frage gestellt werden.

Andere Fachleute sehen aber sehr wohl die Gefahr, dass das Eisenoxid im Kühlkreislauf bzw. bei den Kühlpumpen Probleme machen kann.

Hier das Gutachten der Bundesanstalt für Materialforschung und- Prüfung (BAM), beauftragt im Juli 2006.

 

 

 Dazu die Pressemitteilung der GRÜNEN im Landtag:

Anhaltende Korrosionsprobleme beim

Forschungsreaktor FRM II

Dokumentation der Pressekonferenz mit dem energiepolitischen Sprecher Ludwig Hartmann, MdL vom 28.04.2011

Auf der Grundlage eines bisher geheim gehaltenen Gutachtens der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (Aktenzeichen VI 1/14313) aus dem Jahr 2006 kommen die Grünen im Bayerischen Landtag zur Erkenntnis, dass der Forschungsreaktor FRM II seit seiner Inbetriebnahme im Jahr 2004 mit Korrosionsproblemen belastet ist.

Diese Probleme wurden der Öffentlichkeit jahrelang konsequent verschwiegen: Würde man allein den Veröffentlichungen der TU München glauben, wäre dieses Problem erstmals am 4. Februar 2011 aufgetreten, mit dem meldepflichtigem Ereignis "Korrosionsbefunde an Wellenbuchsen zweier Armaturen im Schwerwasserkühlsystem". Nur durch eine zufällig an die Bürgerinitiative BÜRGER GEGEN ATOMREAKTOR GARCHING herangetragene Information wurde bekannt, dass diese Korrosionsproblematik seit Jahren ungelöst vor sich her geschoben wurde.

Mit dem Wissen dieses Gutachtens erscheinen frühere meldepflichtige Ereignisse in einem neuen Licht. Viel spricht dafür, dass auch schon bei früheren Unregelmäßigkeiten Korrosion im Spiel war.

Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass die im Oktober letzten Jahres eingeleitete Umbauphase des FRM II, die primär mit neuer Instrumentierung begründet wird, entgegen der ursprünglichen Planung schon zweimal um jeweils mehrere Wochen verlängert wurde. Auch dafür gab es in der Vergangenheit keine offizielle Begründung. Ob die ungelöste Korrosionsproblematik dabei eine Rolle spielt, bleibt eine Spekulation.

Transparenz muss hergestellt werden

Wir wissen nicht, wer in diesem Fall seit Jahren welche Informationen hat. Der TU München und auch dem TÜV Süd müssen diese Probleme bekannt sein. Ob das Bayerische Umweltministerium als Atomaufsichtsbehörde davon Kenntnis hat bzw. seit wann und in welchem Umfang ist nicht bekannt. Eine Schriftliche Anfrage der grünen Abgeordneten Susanna Tausendfreund und Ludwig Hartmann zum meldepflichtigen Ereignis vom Februar wurde von der Staatsregierung erstaunlich knapp und unzureichend am 23. März 2011 beantwortet.

Die Öffentlichkeit hat aber ein Recht, über die tatsächliche Situation am FRM II informiert zu werden. Hier sind sowohl der Betreiber TU München als auch das Bayerische Umweltministerium in der Pflicht.

Die Landtagsgrünen haben auf der Basis der neuen Erkenntnisse eine erneute Schriftliche Anfrage erarbeitet.

Unverantwortliche Atomaufsicht

Die auftretende Korrosion hat in der Vergangenheit und kann auch in Zukunft immer wieder an verschiedenen Stellen des Reaktors zur Einschränkung wichtiger Funktionen führen. Auch wenn - konstruktionsbedingt - dies beim FRM II nicht zum GAU mit weit reichenden Folgen für die Bevölkerung führen wird, ist eine jahrelange Duldung dieser Probleme nicht hinnehmbar, weil ein störungsfreier Betrieb nicht garantiert werden kann.

Eingreifen des Bundesumweltministeriums

Nach ersten Recherchen ist auch das Bundesumweltministerium als oberste Atomaufsicht bisher nur unzureichend über die Problematik informiert. Die Grünen werden sich daher mit einem Schreiben an Bundesumweltminister Norbert Röttgen wenden, mit der Aufforderung dieser Angelegenheit nachzugehen und eine wirksame Kontrolle der Bayerischen Atomaufsicht vorzunehmen.

Wenig zielführende Argumentation des Betreibers und des Ministeriums

Die gestern von der TU vorgebrachten Argumente - soweit sie uns bisher bekannt sind - sind wenig zielführend. Verfärbungen am Reaktorbecken sind selbstverständlich kein gravierendes Sicherheitsproblem. Sie sind vielmehr ein Hinweis auf Korrosionsprodukte, die sich über den Kühlkreislauf verteilt in der gesamten Anlage befinden.

Niemand wird ernsthaft behaupten wollen, dass auf Grund der Korrosion die Dichtheit oder gar die Standsicherheit des Beckens gefährdet würde. Doch es muss der Nachweis erbracht werden, dass keine Armaturen (Ventile, Pumpen, Siebe etc) durch die Korrosion beeinträchtigt werden.

Wenn dies durch Fachgutachten ausgeschlossen werden kann, so ist es an der TU München, diese Gutachten vollständig öffentlich zugänglich zu machen.

Auch die Äußerung des Umweltministeriums, dass die Anlage erst wieder in Betrieb geht, wenn die korrosionsbelasteten Teile ausgetauscht sind, geht an der Sache vorbei. Unter Sicherheitsaspekten muss eine Korrosion zukünftig ausgeschlossen werden. Es geht darum, die Ursache für die Korrosion zu ermitteln und ein erneutes "Rosten" von Armaturen zu verhindern - und nicht darum korrosionsbehaftete Armaturen auszutauschen.

Zusammengefasst lässt sich sagen:

  • Die Korrosionsprobleme am FRM II sind - zumindest den Eingeweihten - seit fast sieben Jahren bekannt.

  • Die Korrosion ist keine punktuelle Erscheinung, sondern hat viele Bereiche der Anlage erfasst, bis hin zum Abklingbecken und zum Moderatortank.

  • Die Ursache der Korrosion ist vermutlich bis heute nicht erkannt.

  • Die Korrosion ist - wie das Ereignis vom Februar 2011 und aktuelle Fotos zeigen - bis heute nicht beseitigt.

Die Grünen verlangen daher von der Bayerischen Atomaufsicht:

  • Von der TU München als Betreiber eine eindeutige Ursachenklärung und eine Beseitigung der Ursache einzufordern,

  • eine Wiederinbetriebnahme des Reaktors erst nach Klärung und Beseitigung der Ursachen zu genehmigen.

Ludwig Hartmann, MdL, klima- und energiepolitischer Sprecher

 

 

 

 

 

 

 

 



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