Leserbrief zu "Ein ganz normaler Arbeitsplatz" und "Die Vorsorgerin" vom 6.7.2010

An die
Süddeutsche Zeitung
München und Region

Ingrid Wundrak
Danziger Str. 19
85748 Garching

7. Juli 2010

Leserbrief zu "Ein ganz normaler Arbeitsplatz" und "Die Vorsorgerin" vom 6.7.2010

In Aßling wohnen Anton Kastenmüller, Leiter des Atom-Forschungsreaktors in Garching, dem diesbezügliche Sicherheitsbedenken fremd sind und Trudi Christof, die sich um die Sicherheit von Bürgern bei Mobilfunk sorgt. Es ist doch immer wieder schockierend zu lesen mit welch schnoddriger, selbstgefälliger Art Menschen über Einrichtungen reden, deren Bau und Betrieb von Anfang an von den benachbarten Bürgern mehrheitlich abgelehnt wurden. Herr Kastenmüller muss die Sicherheit des Reaktors zwar überwachen aber nicht be-denken? Na, super! Ehrlich gesagt, seine persönliche Sicherheit und die der dort Arbeitenden ist mir so egal wie die selbst verursachte Gesundheitsgefährdung von Rauchern in den eigenen 4 Wänden. (abgesehen von den Kosten der Solidargemeinschaft bei Krankheit). Aber wenn die Gefahr mal meine Familie, Freunde und nichtsahnende Bürger betrifft, hört der "Spaß" auf! Dient nicht der hohe Kamin allein dazu beim Normalbetrieb, 240 Tage jährlich, unter anderem radioaktives Tritium wie ein mittleres Atomkraftwerk in unser Atemluft auszuspucken? Seit 2007 gibt es die """Epidemiologische Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken (KiKK)," die eindeutig aussagt, dass bei Kindern, je näher sie an Atomreaktoren aufwachsen, signifikant vermehrt Krebs auftritt!! Doch die Kinder des Herrn wachsen ja im vermeintlich sicherer Entfernung auf. Was Kinder gefährdet ist auch für Erwachsene nicht gesund! Ganz abgesehen davon sind die sattsam bekannten, unwägbaren Gefahren eines kernspaltenden Atomreaktors bis hin zur fehlenden, sicheren Atommüllendlagerung, Grund genug für die Mehrheit diese Technologie abzulehnen. Die Proliferationsgefahr wird von Herrn K. negiert und deshalb die Abrüstung des waffentauglichen, hochangereicherten Urans hinten angestellt, weil "wir .... international auf einen schlechteren Platz abrutschen" Das ist doch ein gewichtigerer Grund als irgendwelches Sicherheitsgedöns. "Ein ganz normaler Arbeitsplatz" sagt Herr K - bloß nicht für Schwangere (sagt er nicht). Also was soll`s der Atomreaktor ist harmlos, nützlich, bringt Ansehen und die Erde ist eine Scheibe.

Aus Aßling gibt es aber auch Positives zu berichten. Es tut wohl von Frau Christof zu lesen, die nicht für sich oder ihr Ansehen kämpft, sondern für die Anerkennung der Gefahren, die aus elektromagnetischen Feldern erwachsen können. Man muss ihr Mut Kraft und viel Unterstützung wünschen. Gut, dass es immer wieder engagierte Menschen gibt, sonst würden uns die Technikverliebten und Technikgläubigen mit Tunnelblick in ihrer Hybris total überrollen.


Quelle: Süddeutsche Zeitung, 07.06.2010


Quelle: Süddeutsche Zeitung, 12.07.2010


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