München, 11. Mai 1999

Ab sofort kann die neu erschienene Broschüre mit dem Titel "FRM II - Die außenpolitische Bedeutung des neuen Forschungsreaktors" beim Umweltinstitut München e.V. bezogen werden. In der Broschüre wird die Bedeutung des RERTR (Reduced Enrichment for Research and Test Reactors)-Programms und der enge Zusammenhang zwischen ziviler und militärischer Atomtechnik erläutert. Gleichzeitig wird die außenpolitische Bedeutung des geplanten Forschungsreaktors FRM II abgehandelt.

Mit Alan Kuperman (Experte für politische Fragen am Nuclear Control Institute) und Wolfgang Liebert (promovierter Physiker an der Technischen Universität Darmstadt), der sich u.a. auch mit der Verantwortung der NaturwissenschaftlerInnen bzgl. der "Friedens- und Zukunftsfähigkeit" auseinandersetzt, werden zwei Autoren vorgestellt, die sich intensiv mit dem Problembereich der Proliferation befasst haben und internationales Ansehen auf diesem Gebiet besitzen. Sie haben freundlicherweise ihre Beiträge zum Symposium "The Scope of a Fissile Material Convention", das im August 1996 in Genf stattgefunden hat, überarbeitet und für die Broschüre zur Verfügung gestellt.

Beide Autoren sehen in dem Garchinger Reaktor FRM II einen negativen Präzedenzfall, der bereits erzielte Erfolge, den Handel und die Verbreitung von atomwaffenfähigem Material weltweit zu unterbinden, untergraben würde.

Die Projektleitung des FRM II hält trotz internationaler Bedenken hartnäckig am Einsatz von waffenfähigem hochangereichertem Uran (HEU) als Brennstoff fest. Umso unverständlicher, als qualifizierte Ersatzbrennstoffe zur Verfügung stehen und ein Verzicht auf HEU zu keinen nennenswerten qualitativen Einbußen der vorgesehenen Experimente führen würde. Ihren Anspruch auf HEU begründet sie mit dem "gesetzlich verankerten, unveräußerlichem Recht", das in Art. 4 Abs. 1 des Nichtverbreitungsvertrages NVV festgehalten ist.

Das Problem ist aber nicht der Wortlaut des NVV, sondern der zu erwartende Nachahmeffekt anderer Betreiber und Planer von Forschungsreaktoren im In- und Ausland und das damit verbundene steigende Proliferationsrisiko. Insofern ist auch dem seit 1978 aufgelegten RERTR-Programm große Bedeutung beizumessen. Es hat sich in der Vergangenheit im Vergleich zum NVV als ein wesentlich zuverlässigeres Instrument herausgestellt, um die Gefahren der Proliferation zu unterbinden. Das Programm hat das Ziel, nur noch niedrig angereichertes, nicht waffenfähiges Material (LEU) in Forschungsreaktoren einzusetzen. Mit der Entwicklung alternativer Brennstoffe wurde die Umrüstung von HEU-Reaktoren auf den Betrieb mit LEU in Gang gesetzt.


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