Stand: 23.Juni 1999

HEU und Atomwaffen

HEU ist ein Material, dass sich als Brennelement für Forschungsreaktoren eignet, aber auch zur Herstellung bestimmter Kernwaffen verwendet werden kann. Es handelt sich um einen Atombombentyp, der wegen seiner einfachen Technik insbesondere für Schwellenländer interessant ist.

Hochangereichertes Uran (HEU = Highly Enriched Uranium) wurde in der Vergangenheit nachweislich wiederholt für militärische Zwecke mißbraucht (Irak, Pakistan). Aus diesem Grund gibt es seit Ende der Siebzigerjahre internationale Bemühungen, HEU vom Markt zu verbannen:

  1. HEU wird seit 1980 in Neuen Forschungsreaktoren nicht mehr eingesetzt
  2. Weltweit werden HEU-Forschungsreaktoren umgerüstet auf den Betrieb mit Niedrigangereichertem Uran (LEU= Low Enriched Uranium).

Der Garchinger Forschungsreaktor FRM II

Die Bayerische Staatsregierung versucht sich derzeit über diese internationalen Bemühungen hinwegzusetzen:

Der Freistaat Bayern und die Technische Universität München beabsichtigen den neuen Forschungsreaktor FRM II (Forschungsreaktor München 2) in Garching bei München mit HEU zu betreiben.

Die Verwendung von HEU in Bayern wäre ein Rückschritt, der die internationale Arbeit der vergangenen zwanzig Jahre zunichte machen könnte. Mit dem Vorbild FRM II entstünde ein Verweisobjekt für andere Reaktorbetreiber, eine Umrüstung auf niedrigangereichertes Uran einzustellen, bzw. zu unterlassen. Des weiteren schüfe der FRM II die Legitimation, auch im Ausland wieder HEU-Reaktoren zu errichten.

Die Rolle der Bundesregierung

Der FRM II- Betrieb erfordert die Zustimmung der Deutschen Bundesregierung. Es ist zu befürchten, daß die Entscheidung stark vom Bundeskanzleramt beeinflußt wird. Theoretisch hätten Fischer, Trittin und Bulmahn Einflußmöglichkeit. Wir befürchten, daß die Bundesregierung sich gegen den massiven Willen der Bayerischen Staatsregierung wenig konfliktfähig zeigen wird.

Die Kommission

Als Entscheidungsgrundlage setzte die Bundesregierung eine sechsköpfige Expertenkommission ein. Die Kommission sollte in den vergangenen vier Monaten überprüfen, ob eine Anpassung des Reaktorkonzepts an LEU im bereits fortgeschrittenen Baustadium noch möglich ist. Die Kommission hat ihre Arbeit offiziell am11.Juni 99 abgeschlossen. Am 21. 6.99 stellte Staatssekretär Catenhusen das Kommissionsergebnis der Presse vor.

Obwohl die Kommission hochqualifiziert besetzt war, gibt die Kommission keine deutliche Empfehlung für eine sofortige Anpassung des Reaktorkonzeptes an LEU. Es ist davon auszugehen, daß Catenhusen als Kommissionsleiter stark richtungsweisend (im Sinne der HEU Konzeption) auf die Kommission eingewirkt hat, während er sich in der Öffentlichkeit als HEU-Kritiker dargestellt hat.

Im Kommissionsbericht werden zwei Konzepte aufgeführt

Variante 1:
Sofortige Anpassung des FRM II-Konzeptes an LEU. Diese Lösung sei neben einer gewissen Leistungseinbuße mit Mehrkosten und einer zeitlichen Verzögerung der Inbetriebnahme um maximal 3 Jahre verbunden.

Variante2:
Die Variante2 sieht einen Start des Reaktorbetriebs mit HEU vor und eine spätere Umrüstung auf LEU, wenn die Eigenschaften dieses Brennstoffs optimiert sind. Diese Variante sei leichter umsetzbar, so hieß es in Pressemeldungen von AP und dpa. Bei dieser Variante werden Umstände und Kosten einer Umrüstung nach der Inbetriebnahme völlig außer Acht gelassen: Der Umbau einer technischen Einrichtung nach der Inbetriebnahme ist erheblich aufwendiger als während der Fertigstellung. Es ist nicht plausibel, daß Umbaukosten eines fertig realisierten HEU-Konzeptes niedriger ausfallen sollen als eine Änderung, die noch in der Bauphase durchgeführt wird.

Die Presseagentur dpa behauptet bereits, der HEU-Start des FRM II sei beschlossen, was sehr deutlich die Tendenz von Catenhusens Position widerspiegelt.


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