Glossar und Chronik zur Vereinbarung Ende Oktober 2001 zwischen Bundesregierung und Bayern: HEU für die ersten 10 Jahre und dann MEU

Dezember 2001

Auch "schwierige" Zeiten nach dem Terror-Anschlag in New York und der dadurch aufgeflammten Diskussion um Risiken durch Terrorismus hindern die Bundesregierung nicht daran, den Forschungsreaktor Garching mit waffenfähigem Brennstoff in Betrieb gehen zu lassen. Eine Expertenkommission hatte im Auftrag des Bundesforschungsministeriums drei Varianten ermittelt, wie der Einsatz von hochangereichertem Uran vermieden werden kann. Die am wenigsten waffenträchtige Variante, die sofortige Umrüstung vor Inbetriebnahme auf eine Anreicherung von 26 Prozent, wurde im Sommer von der FRM II-Projektgruppe an der TU, Herrn Prof. Böning, als durchaus machbar bestätigt. Alle geplanten Experimente am FRM II könnten nach Böning auch mit dem niedrigeren Neutronenfluss mit gutem Ergebnis durchgeführt werden.

Ende Oktober 2001 haben Catenhusen, Parlamentarischer Staatssekretär des Bundesbildungsministeriums und die Bayerische Staatsregierung den ausgehandelten Kompromiss bekannt gegeben. Danach soll die schlechteste Variante (Start mit hochangereichertem Uran, nach zehn Jahren Umrüstung auf waffenfähigen Brennstoff mit reduzierter Anreicherung) realisiert werden. Auch die Expertenkommission hält die nun gewählte Variante für bedenklich.

Selbst die (atomkraftfreundliche) Internationale Atomenergie-Kommission bedauerte, dass sie Bayern nicht vom Einsatz des hochangereicherten Brennstoffs abbringen konnte.

Um so unverständlicher wird die Vereinbarung vor dem Hintergrund, dass sich bereits 1988 das Auswärtige Amt (AA) zum Einsatz von hochangereichertem Uran in Forschungsreaktoren wie folgt äußerte: "Nach Ansicht des AA gefährdet die Einrichtung einer neuen Forschungsanlage mit hochangereichertem Uran die bisherige internationale Zusammenarbeit, entzieht ihr die Glaubwürdigkeit und läuft möglicherweise auch den dabei erreichten Erkenntnissen zuwider." Der einstimmig gefällte Bundestagsbeschluss zur Nichtverbreitung von Kernwaffen vom 10. Mai 1993 führt aus: "Die Kernanlagenbetreiber sollten angehalten werden, soweit technisch möglich, auf den Gebrauch von hochangereichertem Uran (HEU) in Forschungsreaktoren zu verzichten."

Weitere Hintergrundinformationen hierzu finden sie unter: http://www.umweltinstitut.org/frames/all/m286.htm


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